Sie sind hier: >> fotos >> die technik









Das Problem: Mit welcher Kamera fotografiert man fleischfressende Pflanzen?


Jeder, der fleischfressende Pflanzen züchtet, wird sich früher oder später mit diesem Thema beschäftigen. Leider sind die handelsüblichen analogen Kameras keinesfalls geeignet, schöne Pflanzenfotos zu machen. Besonders, wenn es darum geht, die Details einzufangen oder mit der Belichtung zu experimentieren, sind einfache Geräte schnell überfordert. Ich habe mich daher erkundigt und seither einige Kameras ausprobiert. Meine Erfahrungen damit habe ich auf dieser Seite aufgeschrieben.

Die analoge Spiegelreflexkamera:


Ich habe eine Spiegelreflexkamera von Nikon, die F50 verwendet. Wer schonmal von einem normalen Fotoapparat auf eine Spiegelreflexkamera umgestiegen ist, wird wissen, was für ein großer Unterschied das ist. Sowohl in der Tiefenschärfe als auch in den Suchereigenschaften ist die SR unschlagbar. Zudem kann man bei allen Kameras die Objektive wechseln, manuell fokussieren, und und und....
Zur Funktionsweise von Spiegelreflexkameras gibt es viele Seiten im Internet. Leicht verständlich und recht kurz gibt's hier Infos: www.wikipedia.org.

Beim Entwickeln der Filme sollte man in ein Fotogeschäft gehen und zudem nicht die günstigsten Filme wählen. Zwar entwickeln mittlerweile einige Drogerien wahnsinnig günstig Filme, aber das Ergebnis ist dann alles andere als zufriedenstellend. Besonders, wenn man Wert auf schöne und kräftige Farben legt.

Nach einiger Zeit war ich mit den Aufnahmen ganzer Pflanzen nicht mehr zufrieden und wollte auch mal einzelne Blätter oder einen kleinen Zwergsonnentau fotografieren. Dazu habe ich mir dann nach langem Suchen ein Makroobjektiv gekauft. "Makro" beginnt technisch gesehen ab 1:4, d.h. das Bild ist im Original viermal so groß wie auf dem Foto. Damit bekommt man schöne, detaillierte Aufnahmen auch von kleineren Pflanzen und sogar Fliegen. Das Problem stellte sich bei mir allerdings in Form der Farbwiedergabe ein, mit der ich häufig nicht zufrieden war und schon den ein oder anderen Film gleich wegschmeißen konnte. Schwierig wird es vor allem bei zu wenig Sonnenlicht und Kunstlicht.

Wer sich nun auch noch den folgenden Abschnitt über die Digitalkameras durchliest und sich am Ende fragt, wo denn da noch Vorteile der analogen Spiegelreflexkamera sind, der sollte sich immer an eines erinnern: auch das tollste Foto, das mit der Digitalkamera geschossen wurde, kann in der maximalen Auflösung von bis zu 10 Megapixel höchstens als DinA2-Poster abgezogen werden. Ein Foto, das man dagegen mit einer analogen Kamera gemacht hat und von dem man das Negativ besitzt, kann im Fotogeschäft praktisch noch beliebig vergrößert werden ohne dass die Qualität arg darunter leidet. Ein wirklich gute Eigenschaft, die nicht zu ersetzen ist und mit der digitalen Fotografie leider verloren geht.



Zwei eingescannte Fotos, die mit dem Makroobjektiv gemacht wurden. Die Unschärfe und schlechte Farbqualität ist Schuld meines schlechten Scanners.


Die einfache Digitalkamera:


Zufälligerweise kaufte sich im Jahre 2002 in meinem engsten Verwandtenkreis jemand eine Digitalkamera. Ich hatte gehört (und hatte mich von dieser Meinung sofort überzeugen lassen...), dass man mit Digitalkameras keine ordentlichen Makrofotos machen kann, auch wenn es heißt 'mit Makrofunktion'. Nun, jetzt wurde ich eines Besseren belehrt: die 4 Megapixel Kamera von Minolta tut sehr gute Dienste, die eingebaute Makrofunktion ist wirklich top. Die einzigen Probleme die ich hatte:

  • auf dem kleinen LCD-Display kann man unmöglich erkennen, ob der Autofokus-Sucher das Richtige scharfstellt
  • will man richtige Makroaufnahmen hinkriegen, muss man die höchste Auflösung mit höchster Bildqualität kombinieren, was auf eine Bildgröße von 11 MB herausläuft.
  • man muss eine Mindestentfernung einhalten (16 cm), um im Schärfebereich zu bleiben, was etwas schwierig abzuschätzen ist.
  • die Makrofunktion erlaubt kein Abstellen des LCD-Displays, so dass die Batterie sehr schnell leer geht. Damit ist man meistens an ein Netzkabel gebunden und muss die Pflanzen zur Kamera bringen anstatt umgekehrt.

    Nun ist es natürlich nicht so, dass man jede beliebige Digitalkamera verwenden kann. Eine Megapixel-Anzahl von 4 sollte man schon haben. Erst dann kann man die geknipsten Bilder soweit vergrößern, dass man einen ordentlichen Makroauschnitt bekommt. Eine Kamera mit weniger Megapixel würde bei der späteren Vergrößerung mit einem Bildbearbeitungsprogramm so pixelige Bilder liefern, dass man nichts mehr erkennt. Unten seht ihr ein Beispiel für dieses nachträgliche Vergrößern. Zuerst das Foto aus ca. 20 cm Entfernung auf den Sonnentau, die Qualität war so hoch eingestellt, dass ich das Bild noch ca. 4 mal vergrößern konnte, ohne dass es pixelig wurde (hier ist das Original natürlich komprimiert dargestellt). Das Ergebnis seht ihr danach, vielleicht findet ihr ja den Auschnitt auf dem Originalfoto wieder:




    Die digitale Spiegelreflexkamera:


    Im März 2006 habe ich mir eine digitale Spiegelreflexkamera gekauft, eine Nikon D200. Die Kamera kam erst Ende 2005 auf den Markt und sprang bei Nikon in die preisliche und qualitative Lücke zwischen der D70s und D2X. Damit war sie für meine Zwecke ideal geeignet, da ich zudem froh war, bei Nikon bleiben zu können. Denn auch mein für die analoge SR gekauftes Makroobjektiv funktioniert gut mit der digitalen Kamera - auch wenn das natürlich nur eine Übergangslösung sein kann.

    Meine bisherigen Erfahrungen mit der Kamera sind fast durchweg positiv. Die Bildqualität ist aufgrund des hochwertigen Chips (das Analogon zum Fotofilm in einer analogen Kamera) hervorragend, jegliches Rauschen wird minimiert, so dass auch noch bei schlechten Lichtverhältnissen gute Bilder entstehen. Die Kamera speichert unglaublich schnell, so dass viele Bilder schnell hintereinaner geschossen werden können (z.B. für Serienaufnahmen von bewegten Objekten). Der Autofokus ist ebenfalls blitzschnell. Der Hersteller hat sich auf jeden Fall Gedanken zur Bedienung der Kamera gemacht. Wenn ich sie auf dem Stativ habe und durch den Sucher mein Bild betrachte, dann brauche ich nur mit der rechten Hand an der Kamera zu sein. Alle Einstellungen kann ich mit dieser Hand vornehmen, sogar ohne hinzuschauen. Das wird durch zwei Einstellräder an Vor- und Rückseite ermöglicht, die mit anderen Tasten kombiniert die verschiedensten Einstellungen ändern können (Blende, Belichtungszeit, ISO-Wert, Weißabgleich, Bildqualität etc.).

    Ein kleines Manko ist momentan noch mein Objektiv. Zwar wird durch die Eigenschaften des Chips der D200 der Abbildungsmaßstab von 1:2 gleich mal auf 1:1 verbessert, allerdings merkt man besonders im Randbereich dass das Objektiv nicht für digitale Kameras gebaut worden ist. Die Bildqualität nimmt zum Rand hin etwas ab. Glücklicherweise fotografiere ich im Makrobereich meistens ein einzelnes Objekt, welches dann natürlich in die Bildmitte gerückt wird und am Rand ohnehin nur der möglichst einfarbige Hintergrund zu sehen ist. Dennoch kann man damit natürlich nicht zufrieden sein, so dass ich früher oder später ein besseres Objektiv kaufen muss. Ansonsten kann ich die Qualität der Kamera nicht voll nutzen.
    Viele Käufer der Nikon-DSLR's berichten (z.B. in Internetforen) von sogenannten "Kinderkrankheiten" der Nikon-Kameras. Das kann eine nicht funktionierende Abblendtaste oder farbige Streifen in den Bildern sein. Bei mir tritt eine solche Kinderkrankheit in Form eines schwarzen Fleckes an immer der gleichen Stelle des Bildes auf - unabhängig vom aufgesetzten Objektiv. Deswegen werde ich wohl den technischen Support von Nikon demnächst testen und die Kamera für einige Tage hergeben müssen. Sonstige Probleme sind aber bisher nicht aufgetreten.


    Da mein Schwerpunkt auf den Makroaufnahmen liegt, reicht mir natürlich ein Maßstab von 1:1 immer noch nicht aus. Daher verwende ich einige Nahlinsen, die man beliebig kombiniert auf das Objektiv aufschrauben kann und so einen größeren Maßstab erzielt. Des weiteren kann ich, da die Kamera mit bis zu 10 Megapixeln fotografiert, auch einfach Bildausschnitte herausschneiden. In voller Größe erhalte ich Bilder im Format 3872 x 2592 Pixel, ich habe also genug Luft um Ausschnitte herauszunehmen. Ein Beispiel für einen solchen Ausschnitt seht ihr unten. Das Bild wurde mit dem Makroobjektiv aufgenommen, mit einer +4er Nahlinse davor:




    Kosten der verschiedenen Ausrüstungen:


    Die folgende Tabelle liefert nun einen Überblick über die Kosten der oben beschriebenen Möglickeiten. Dabei ist noch zu beachten, dass die Preise vorwiegend Einzelpreise sind. Natürlich sollte man versuchen Kamera, Speicherkarte, Akkusätze und Objektive im Set zu kaufen.

    Analoge Spiegelreflexkamera
    Analoge Spiegelreflexkamera, z.b. Canon EOS 500 oder Nikon F 50ca. 200€
    Makroobjektiv für analoge Kamera, z.b. von Sigma oder Tamronca. 150€
    div. Nahlinsen mit passendem Durchmesserca. 50€
    Stativca. 20 - 100€
    Kosten gesamt: ca. 420 - 500€
    Digitalkamera
    Digitalkamera, z.B. Minolta Dimage S404ca. 400€
    Akkusatz oder Ladekabel10€
    UV-Filter30€
    Stativca. 20 - 100€
    Kosten gesamt: ca. 460 - 540€
    Digitale Spiegelreflexkamera
    Nikon D2001675€
    Normales Objektiv, auch Makroobjektiv oder Teleobjektivca. 150€
    Besseres Makroobjektivca. 600€
    UV-Filter30€
    Speicherkarte (1 GB)ca. 50€
    Stativca. 20 - 100€
    Kosten gesamt: ca. 2600€



    Nicht zu unterschätzen sind bei analogen Kameras die Kosten für Filme und Entwicklung. Digitale Bilder kann man sehr günstig auf Fotopapier abziehen, wer das machen will, sollte nicht ins Fotogeschäft gehen, da es dort sehr teuer ist. Schaut doch einfach mal bei kodak, photocolor, pixum oder durchsucht das Internet nach weiteren Anbietern.

    Fazit:

    Für mich war die digitale Spiegelreflexkamera die beste Wahl. Analoge Fotografie ist nicht mein Ding, da die Bilder auf dem Papier immer anders herauskommen, als man sich das so vorstellt. Zudem sind die laufenden Kosten für die Entwicklung wirklich hoch.
    Die normale Digitalkamera hat sich gut bewährt. Die Bildqualität ist in Ordnung, der Vergrößerungsmaßstab mit Hilfe von einigen Tricks wie davorgehaltenen Nahlinsen, Lupen oder Sonstigem mehr als in Ordnung. Wer eine gute Digitalkamera mit 6-10 Megapixeln zur Verfügung hat, braucht sicherlich keine digitale Spiegelreflex aus der gleichen Schublade wie die Nikon D200 oder darunter zu kaufen. Erst recht nicht, wenn die Kamera eine gute Akkulaufzeit und vielleicht sogar noch einen manuellen Fokus hat - das ist mittlerweile bei immer mehr Modellen der Fall. Und schon meine "alte" 4 Megapixel Minolta tat bei den Makroaufnahmen gute Dienste:


    Nahaufnahmen mit Digitalkamera und Lupenkonstruktion. Auf allen Bildern erkennt man die geringe Schärfentiefe, die sich manchmal auch sinnvoll fotografisch nutzen lässt.


    Wer nun doch mehr will, sollte mit größeren Ausgaben rechnen und den Schritt zur digitalen SLR wagen. Der Lohn:

  • bessere Bildqualität (d.h. weniger Rauschen, bessere Farbwiedergabe, mehr Schärfentiefe...)
  • mehr manuelle Einstellmöglichkeiten (neben den erweiterten "Standards" Blende, Belichtung, ISO, Weißabgleich gibt es z.B. noch Möglichkeiten für die Farbkorrektur)
  • wechselbare Objektive
  • eine genaue Vorschau des späteren Bildes durch den vorgeklappten Spiegel
  • mehr (teure) additive Technik für den Makrobereich