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Licht für Karnivoren

Die Lichtintensität und Menge ist ein sehr wichtiges Kriterium bei der Haltung von fleischfressenden Pflanzen. Bis auf wenige Ausnahmen lassen sich alle Fleischfresser unsere deutsche Sonne gerne gefallen, sei es hinter Glasscheiben oder auch im Freien. Im Folgenden eine Liste mit Einordnungen in verschiedene Lichtintensitäten, die die verschiedenen Arten über den Tag verteilt am liebsten mögen:



volle SonneDionaea, einige Drosera, Drosophyllum
viel Sonnefast alle Drosera, Zwergdrosera, Heliamphora, Sarracenia, Darlingtonia, einige Nepenthes, Byblis
wenig Sonneeinige Nepenthes, Pinguicula, Utricularia
schattigQueenslanddrosera (prolifera, schizandra, adelae)


Diese Tabelle ist nur eine sehr grobe Einteilung, die mehr für Anfänger gedacht ist. Mit der Zeit wird jeder selbst herausfinden, wo seine Pflanzen am besten wachsen.
Auch gilt diese Tabelle nur für den Sommer. Im Winter halten die meisten Fleischfresser eine Winterruhe, wobei sie teilweise garkein Licht, teilweise wenigstens 3-5 Stunden täglich Sonne benötigen. Einige Beispiele:


- Dionaeas, die bei 5-10° überwintert werden, vertragen gut 4 Stunden Sonne über den Tag, solange es dabei nicht zu warm wird. Überwintert man sie aber ausgegraben im Kühlschrank oder im Sphagnumbeutel, läßt man sie am besten sprichwörtlich im Dunkeln stehen.

- Zwergsonnentaue können unter bestimmten Umständen über den Winter im Zimmer gehalten werden, solange sie genug Licht bekommen. Meine Pflanzen geraten dabei jedoch immer wieder in Konflikte mit der Brutschuppenbildung, so dass ich nicht genau weiß, wie ich sie am besten überwintere. Vielleicht hat ja jemand noch einen Tip für mich?

- Byblis liniflora zieht ein, wenn sie zuwenig Sonne bekommt. Mit künstlichen Leuchtmitteln wie NaHD-Lampen kann aber auch sie heil über den Winter gebracht werden, ohne wie gewöhnlich einzuziehen. Praktisch ist das, wenn man mitten im Sommer Samen ausgestreut hat und am Winteranfang immer noch keinen blühenden Pflanzen hat (ich fühle mich nicht angesprochen... ;) ).

- Sarracenien sind ziemlich genügsamen Pflanzen, was den Winter angeht: Meine Pflanzen überleben teilweise draußen bei normalem Tageslicht, aber auch drinnen bei Kunstlicht und in einer dunklen Zimmerecke mit sehr wenig Licht.



Kunstlicht

Hier findet Ihr eine Auflistung mit diversen Lampentypen, die zur Beleuchtung von fleischfressenden Pflanzen verwendet werden. Alle Angaben basieren auf von mir durchgeführten Tests mit meinen Pflanzen und Lampen, so dass viele Angaben mit den Richtwerten wahrscheinlich nicht übereinstimmen werden. Trotzdem halte ich solch einen persönlichen Erfahrungsbericht mit Kunstlicht für sinnvoller als einfach nur die Angaben auf den Lampenpackungen zu lesen.


Leuchtstoffröhre

Ich betreibe seit ca. einem halben Jahr ein kleines Terrarium mit einer Leuchtstoffröhre der Farbe "Tabeslicht", erhältlich in jedem Zoogeschäft. Die Röhre hat 15 Watt und ein emittiertes Lichtsprektrum von 4200K. Die Lampe hängt etwa 15 cm über den Pflanzen und ist nach oben abgeschirmt. Mit 10 cm Abstand zur Lampe habe ich ziemlich genau 1000 lux gemessen. Den Deckel lasse ich einen Spalt breit offen, damit die Hitze entweichen kann, es herrschen so tagsüber maximal 25°C, die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit beträgt 60%. Soviel zu den technischen Daten.
Im Terrarium stehen: eine Nepenthes alata, eine kleinwüchsige Nepenthes alata Hybride, einige Tillandsien und eine Heliamphora minor. Alle Pflanzen wachsen hervorragend, wobei die Heliamphora dies vermutlich nicht tun würde, wenn sie in ihrer Ecke nicht noch etwas Sonnenlicht erreichen würde. Zwar bilden die Nepenthes keine intensiv roten Kannen aus, über das Wachstum kann ich mich jedoch ansonsten nicht beklagen.

Bewertung: Gut geeignet für Nepenthes im Terrarium, gute Helligkeit und brauchbares Spektrum bei relativ wenig Stromverbrauch. Preis ohne Aufhängung ca. 7 €

Quecksilberdampflampe (HQL)

Die Lampe benötigt ein Vorschaltgerät, weswegen sie ca. 1,5 Kilo auf die Waage bringt. Es ist ein 80 Watt HQL-Leuchtmittel eingesetzt, welches nach oben abgeschirmt ist. Die Lampe hängt ca. 20-30cm über den Pflanzen, sie beleuchtet eine Kreisfläche von ca. 80 cm Durchmesser. 10 cm unter der Lampe ergibt eine Messung ca. 5000 lux.
Beleuchtet werden u.a. Byblis liniflora Sämlinge, Drosera auriculata, weitere Drosera- und Sarraceniasämlinge. Die Pflanzen wachsen zwar ordentlich, es öffnen sich jedoch keine Blüten bei B. liniflora. Die Randpflanzen wachsen deutlich langsamer. Auch kann man die 5000 lux der Lampe nicht voll ausnutzen, da diese sehr heiß wird und die Pflanzen auf Dauer absengen würde, wenn man den Abstand von 10 cm realisieren würde.

Bewertung: Nicht empfehlenswert, da sehr hohe Stromkosten anfallen und die Pflanzen teils nur mangelhaft wachsen. Kostenpunkt für Gesamtkonstruktion neu nicht unter 100 €

CDM-T Leuchtmittel

Getestet habe ich zwei 70-Watt-Strahler und einen 150-Watt-Strahler. Gewicht der Strahler ca. 2 kg, Leuchtmittel CDM-T oder CDM-TS mit kubischen Reflektoren, Abstand zu den Pflanzen bei den 70ern ca. 15 cm, beim 150-W-Strahler etwa 60 cm. Die Helligkeit geht beim 150er über das Sonnenlicht hinaus, wenn man in 5 cm Abstand misst (über 11800 lux). Sämtliche Blüten (auch die von Byblis liniflora) öffnen sich, Dionaeas färben sich knallrot, auch wenn sie nur in 60 cm Abstand stehen. Der 150er leuchtet fast 2 qm aus.

Bewertung: Bis jetzt das Beste, was ich zum Beleuchten erwischt habe. Die Anschaffung der 150-Watt-Lampe ist nicht wesentlich teurer als die einer 70-Watt-Lampe, und wer als Hobbyzüchter im Winter einen großen Tisch mit Pflanzen zu beleuchten hat, dem reicht diese Lampe völlig aus. Kosten: Strahler neu zwischen 90 und 180 €, Leuchtmittel etwa 25 €. Bei ebay reinzuschauen lohnt sich mal wieder ;)

Energiesparlampe

Im Test ist eine 8 Watt Energiesparlampe, eingeschraubt in eine Stehlampe, ohne Reflektor. Im Abstand von 10 cm bringt sie es immerhin auf gut 900 lux.
Mit dieser Lampe beleuchte ich verschiedene Pflanzen bei Bedarf, z. B. Drosera-Sämlinge, Zwergsonnentau-Brutschuppen und -Sämlinge, Sarracenia-Sämlinge und Queensland-Drosera. Alle Pflanzen nehmen das Licht gut an, besonders bei den Zwergdroseras wirkt sich die zusätzliche Beleuchtung sehr positiv aus. Da aber mit dieser Lampe wahrscheinlich im richtigen Winter, wenn's noch weniger Sonne gibt als im Herbst, die Pflanzen doch eingehen würden, habe ich vor, weitere Tests mit besseren Lampen durchzuführen. Optimiert man beispielsweise den Leuchtkreis einer 16 Watt-Energiesparlampe mit einem geeigneten Reflektor, kann man sicher ein vielfaches der momentanen Lichtausbeute erreichen.

Bewertung: Als Zusatzbeleuchtung zum Sonnenlicht im Herbst ausreichend, sehr kostengünstig!




Eine sehr gute Seite im Internet über den Vergleich der verschiedenen Leuchtmittel und deren Eignung als Pflanzenlampen gibt's unter folgendem Link: http://www.hereinspaziert.com/Seh-Wuchslicht_neu/Uebersicht.htm